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Dieser Blog dreht sich ums Studentenleben in Korea. Die Hauptseite meiner Blog-Welt ist unter folgender Adresse zu sehen:

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Donnerstag, 19. Juni 2008

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Akademischer Austausch
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Irgendwie scheint es mir im Moment so als seien auf diesem Blog die "Nordkorea-Festspiele" ausgebrochen aber das ist nun Mal, was ich im Moment so erlebe.
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Am Dienstag organisierte Herr Dr. Brochlos für interessierte Studenten ein Gespräch mit einem nordkoreanischen Germanistik-Dozenten, der auf Einladung des DAAD derzeit einen 3-monatigen Aufenthalt an der FU verbringt. Menschenzoo - da war das Interesse natürlich sofort größer als z.B. an der Gedenkveranstaltung für eine der größten Autorinnen Asiens aller Zeiten und wir bekamen einen Seminarraum mal richtig voll.
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Der Dozent selbst war - vorsichtig gesagt - schon vom Äußeren als Mitglied der kimistischen Oberschicht zu erkennen. Sehr feine Gesichtszüge, eine brandneue Jacke, gepflegte Zähne, blasse Haut. Dieser Nordkoreaner stand wahrscheinlich selten auf dem Feld. Wie er auch selbst zugab, musste er im Gegensatz zu anderen Nordkoreanern nur 3 Monate zum Militär und wurde danach auf Befehl Kim Jong-ils vom Dienst zurück an die Uni berufen - soviel zur Wehrgerechtigkeit im Garnisonsstaat Nordkorea.
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Und überhaupt, was wir so aus den Aussagen des recht offen redenden Referenten herausziehen konnten, ließ zumindest einige aufhorchen. Wer würde z.B. denken, dass das nordkoreanische Bildungssystem elitärer ausgerichtet ist als das deutsche? In Nordkorea heißt das Gymnasium sogar ganz offen "Elite-Oberschule", das Leben ist von wichtigen Prüfungen geprägt und nicht zuletzt ist das Studium zwar gebührenfrei, aber dafür dürfen im ganzen Land jährlich nur wenige tausend anfangen zu studieren. Noch interessanter ist, dass während es im Süden derzeit viel Opposition gegen die Einführung der sogenannten "Law Schools" nach amerikanischem Vorbild gibt, dies in Nordkorea bereits eingeführt wurde und die juristische Fakultät der Kim-Il-Sung-Universität bereits ausgegliedert ist.
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Ebenso offen sprach der Dozent aber auch mit uns darüber, dass es eigentlisch schade sei, dass er zwar bereits deutsche Literaturgeschichte unterrichte, aber noch nie ein echtes Theaterstück gesehen habe. Es fehle an allen Ecken und Enden an aktuellen Lehrmaterialien und der Unterricht sei methodisch doch ziemlich überholt. Trotzdem sollte man sich keine Illusionen machen, denn auch der so offen daherplaudernde Herr kam schließlich auf den "rechten Weg" zurück und erzählte uns, dass Deutschland doch sehr enttäuschend sei.
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Überall müsse man mit Geld bezahlen und die Medie berichte so frei. Das war tatsächlich faszinierend, denn zwar fing er keine sozialistischen Tiraden an, um uns zu erklären, dass der Fall Fritzl in Österreich auf den Kapitalismus zurückzuführen sei, doch seine Argumentation war nicht weniger dialektisch: Wenn so etwas schon passiere, dann müsse doch bitte die Presse nicht so offen darüber berichten, denn das mache das Volk ja traurig und vielleicht gibt es auch noch Nachahmer, die sich durch die Presseberichte inspiriert fühlen und auch so etwas tun. Ah ja. Leider meinte Herr Dr. Brochlos dann auch noch in den Chor einstimmen zu müssen, sodass ich mich inmitten der dialektischen Medienkritik ein wenig unwohl fühlte.
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Alles in allem aber ein sehr offenes, sehr einblickreiches Gespräch, insbesondere auf das nordkoreanische Bildungssystem bezogen. Ach ja: Wer als Lektor nach Pyeongyang möchte, kann sich jederzeit bei mir melden, es gibt da noch offene Stellen....
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7 Kommentare 덧글:

Anonym hat gesagt…

wie ist denn da die bezahlung für lektorenstellen? würde mich mal wirklich interessieren... und wie sieht es auch mit der ausstattung der unis insbesondere der bibliotheken aus? hatte er da was gesagt? ich konnte leider nicht hin... -_-

Gomdori@KU hat gesagt…

Ja, obwohl Brochlos dich sicher sehr oft gebeten hat, hinzukommen...aber du kannst ja nicht ueberall sein ^^

Dazu hat er nix gesagt, aber die Ausstattung ist natuerlich eher bescheiden, liess er so anklingen. Insbesondere gesamtdeutsche Literatur ab den 90er Jahren gaebe es so gut wie gar nicht.

Anonym hat gesagt…

^^ ja das leben ist hart. hm, und wie war das mit den gehaeltern als lektor in pyeongyang?

Gomdori@KU hat gesagt…

ja darueber hat er nicht geredet...nur dass es in den 90ern gar keine Muttersprachler gab und jetzt immerhin einen..

P.S. Wann gibts Sam? ^^

Anonym hat gesagt…

gehalt gibts am dienstag, sobald ich dann also etwas zeit finde. weisst doch, ich werde staendig gebeten irgendwo hinzugehen ^^

Tom hat gesagt…

Gab es nicht auch folgenden Dialog:

Dozent: "Schlimm wie der eine Mann die Frau eingesperrt hat und die Medien berichten auch noch darüber"

Brochi: "Ja, einer der Nachteile wenn man in einem freien Land lebt"

sosä

Tom

Gomdori@KU hat gesagt…

Ja aber daran schloss sich dann ja an "Immer nur schlechte Nachrichten....damit es sich vekauft....das ist ja das Problem, dass sich Nachrichten bei uns verkaufen muessen" ...