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Dieser Blog dreht sich ums Studentenleben in Korea. Die Hauptseite meiner Blog-Welt ist unter folgender Adresse zu sehen:

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Freitag, 11. Juli 2008

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Ganzeseitetage
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Wenn man aufwacht und in den Online-Ausgaben der koreanischen Zeitungen ist eine Meldung quer über den ganzen Bildschirm, meist noch mit Extra-Kasten drumrum, dann weiß man, dass etwas sehr Schlimmes passiert ist - ein Ganzeseitetag eben.
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So auch heute, eine Nachricht, die es vielleicht sogar nach Deutschland schaffen könnte, da sie mit Nordkorea zusammenhängt. Jedenfalls ist es ein unglaublicher, ja unwirklicher, Vorfall, den man nicht ausschliesslich auf das derzeitige Verhältnis schieben kann, der aber aufgrund eben dieser derzeitigen Lage besondere Aufmerksamkeit und einen noch schaleren Beigeschmack erhält.
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Also ohne große Umschweife: Eine südkoreanische Touristin wurde im Rahmen der Geumgang-Tour von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen, weil sie sich wohl außerhalb des begrenzten Gebietes am Strand aufgehalten hat. Und dann einfach so in den Rücken und ins Bein und dann war sie tot. Einfach unfassbar.
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Einige Fragen drängen sich auf:
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1. Südkoreanische Ajummas kennen keine Regeln. Wahrscheinlich war sie gerade so am Kräutersammeln, dass sie die Begrenzungen nicht mitbekommen hat. Nach einer kurzen Warnung, auf die sie keinerlei Reaktion gezeigt hatte, wurde sie dann sofort erschossen. Haben nordkoreanische Wachposten im Geumgang wirklich Schießbefehl? War es vielleicht sogar eine gezielte Aktion, um noch mehr Chaos in die Beziehungen zu bringen? Andererseits; sollte der Süden die Tourismusprogramme abbrechen, gingen Nordkorea viele Millionen wichtiger Devisen flöten. Der junge Soldat scheint also eher "Einzeltäter" zu sein. Wenn auch übermotiviert.
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2. WARUM schießt jemand einfach so? Ich meine, eine unbewaffnete Ajumma auf Strandurlaub wird man ja wohl anders einfangen können als mit gezieltem tödlichen Schuss in den Rücken.
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Präsident Lee hat sofort angekündigt, dass es keine militärische Reaktion auf den Vorfall geben werde, das Tourismus-Projekt aber erst einmal bis auf weiteres ausgesetzt sei. Vielleicht wachen ja einige Südkoreaner jetzt mal auf, dass Nordkorea kein lustiges Land für Badeferien ist. Die Unbefangenheit, aber auch das Deesinteresse und die mangelnde Reflektion der südkoreanischen Touristen war mir ja schon in Gaeseong aufgefallen.
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Aus dem Norden gibt es bisher noch kaum eine Reaktion. Die bisherigen Touristen wurden ohne große Probleme ausser Landes gebracht, nach Sokcho wohl, aber offiziell gibt es noch keine Äußerung. Vielleicht überwindet man sich ja und entschuldigt sich für den Vofall? Da ist noch viel politisches Pulver drin. Wahrscheinlich werden die Anti-Rindfleisch-Demonstranten jetzt gegen die Ajumma protestieren, weil diese die innerkoreanische Versöhnung durch ihr Verhalten untergraben hat. Lacht nicht, nach dem, was ich schon im Zusammenhang mit Nordkorea-Politik in Korea mitbekommen habe, ist das gar nicht so unwahrscheinlich.
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Update 20:38: Der Norden hat noch immer nichts verlautbaren lassen. Die einzigen Informationen gab es für Hyundai-Asan, an die Regierung Südkoreas gibt es bisher nichts. Inzwischen ist aber trotzdem Näheres rausgefunden worden und einige der Hauptzweifel an der Version des Nordens werden sehr schön in einem Artikel von Hanguk Ilbo beschrieben.
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Frau Park (das Opfer) wollte wohl am Abreisetag noch den Sonnenaufgang am Ostmeer anschauen und spazierte am Meer entlang. Laut nordkoreanischer Version überstieg sie dann einen 2 Meter hohen Eisenzaun (!!), marschierte 2 Kilometer in militärisches Sperrgebiet (!!!), reagierte nicht auf Warnungen und angebliche Warnschüsse, flüchtete dann aber 1 Kilometer lang im Sand rennend (!!!) und wurde schließlich in den Rücken geschossen (!!). Angeblich habe man nicht erkannt, dass es sich um eine zivile Person gehandelt habe, weil es nachts gewesen sei. Es war allerdings mindestens schon Morgengrauen und da kann man sicher eine koreanische Ajumma von einem Soldaten unterscheiden. Außerdem ist es interessant, dass nur zwei Schüsse abgegeben wurden, aus einer Entfernung von 300 Metern. Und so gezielt. Die Autopsie hat ergeben, dass der zweite wohl sogar auf die bereits liegende Person abgegeben wurde; zudem sicher näher als 300 Meter.
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Wie wenig Achtung vor Menschenleben wird nordkoreanischen Soldaten eigentlich anerzogen? Ich bin immer noch richtig wütend. Denn im Gegensatz zu vielen Südkoreanern, die es entweder als Dummheit der Frau runterspielen (Linke) oder als gezielte Provokation hochspielen (Rechte), glaube ich, dass die dummen Soldaten einfach nicht gesehen haben, dass es sich um eine gut bezahlende Touristin aus dem Süden handelt, sondern "nur" um einen Bürger ihres eigenen Arbeiterparadieses, der in Sperrgebiet eindringt. Im Norden durchaus ein todeswürdiges Vergehen.
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Viel mehr als über die Beziehungen zwischen Nord und Süd sagt mir der eigentliche Vorfall wieder einmal etwas über den Wert von Menschenleben in Nordkorea; und dabei kommt mir gelinde gesagt das Kotzen.
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Update 13:23 Uhr: Wie ich dieses Regime nicht leiden kann.... In einem typischen Anfall kimistischer Dialektik bedauert Nordkorea den Zwischenfall, fordert aber eine Entschuldigung vom Süden dafür, dass dieser seine Leute nicht im Griff habe. Eine Tatort-Begehung oder Untersuchung werde es nicht geben (bestes Zeichen dafür, dass die nordkoreanischen Untersuchungen mit einem für den Norden unliebsamen Ergebnis zuende gegangen sind) und ansonsten ist man im Norden sehr schockiert, dass das Territorium des Nordens verletzt worden sei. Nun ja.
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Inzwischen hat sich ein Zeuge zu Wort gemeldet, der die Dame noch verschwinden hat sehen - er hat aber keinerlei Zäune oder Warnschilder gesehen, weshalb er sich nichts weiter gedacht hat. Eine Zeit später hat er dann 2 (!) Schüsse gehört, d.h. wenn das stimmt, kann es keinen Warnschuss aus dem Norden gegeben haben. Rätsel, die wohl nie gelöst werden.
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Eins muss man Lee lassen; manchmal hat seine Sturheit auch was Gutes. Sein "umfassendes Gesprächsangebot" für den Norden hat er - obwohl er 50 Minuten vorher vom Zwischenfall erfahren hat - aufrecht erhalten. Ganz so der harte Anti-Nordkoreaner kann er also nicht sein. Mal sehen wie er im Weiteren reagiert. Was ich so in den Zeitungen mitbekomme, ist die Stimmung doch überraschend antinordkoreanisch, nicht nur in der Chosun, sondern auch in gemäßigteren Foren.
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Die Nordkoreaner wundern mich wieder einmal, dass sie den Fortbestand des Projektes so offen gefährden mit ihrer Stellungnahme - andererseits dürften sie wissen, dass der Süden das Projekt gar nicht wirklich abbrechen kann. Nordkorea ist mal wieder in einer Win-Win-Situation.
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Donnerstag, 10. Juli 2008

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Auslandsstudium Spezial
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Bei SpiegelOnline gibt es zwei interessante Berichte über Auslandsstudium in Korea, d.h. in beiden Teilen der Halbinsel, die mir bisher entgangen waren.
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Höchst interessant, insbesondere was Frau Gutzat damals so entgegen aller totalitaristischen Bürokratie in Nordkorea sehr intelligent durchgesetzt hat. Solche Art von Anstoßen von Denkprozessen ist meiner Meinung nach diejenige, mit der man den meisten Erfolg erzielt. Ich meine durch meine Kontakte mit den Leuten vom Fremdsprachenverlag zu erahnen, was der Weg sein könnte, die Leute in Nordkorea in ihrer Denk- und Redeart mit dem Rest der Welt wiederzuvereinen - eine Aufgabe, für die wir wahrscheinlich und bedauernswerterweise noch viele Jahre Zeit haben werden.
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Auch der Bericht aus Südkorea ist interessant zu lesen. Ist schon witzig etwas über Leute und ihre Lebenspläne zu lesen, die für die meisten Menschen als noch befremdlicher und unrealistischer als mein eigener gelten dürften.
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Der nimmt im Übrigen immer konkretere Formen an. Vergleichende Politikwissenschaft ist nach aller Lektüre der letzten Wochen wirklich eine asiatische Boombranche abseits von den Fabriken Chinas und meine intensive Vorbereitung für die Klausur zu Japanische Politik lässt mich nun doch ziemlich interessiert diese Texte verschlingen. Die verschiedenen Politikmodelle und Modelle von Political Economy wie sie in Deutschland, Korea und Japan angewendet werden, bergen unendlichen Reichtum für eine Doktorarbeit. Vielleicht gar über die Unterschiede in der modernen Verwaltung zwischen ehem. kolonialem Mutterland Japan und seinen Kolonien Korea und Taiwan?! Oder über den Vergleich der "konservativen" Bewegungen dieser drei Länder; KMT; GNP (bzw. DRP) und LDP? So viel zu tun und ich krepel immer noch an den letzten Zügen des Bachelor rum. Grins.
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Und, noch viel unhemlicher, über die Politik wird mir sogar Wirtschaft, zumindest die grobe Makroökonomie inzwischen verständlich - und noch mal sehr deutlich, warum Demokratieexporte nicht funktionieren können. Und sehr deutlich, warum Wirtschaft und Politik zusammen gehören. Vielleicht fügt sich ja doch noch alles zusammen und meine größeren Lücken (tieferes Verständnis moderner Prozesse auf der anderen Seite des Ostmeers) schließen sich doch noch zu einem Komplettbild dessen, was mein Abschlusszeugnis sagen wird: Ostasienwissenschaften.
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Mittwoch, 2. Juli 2008

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Wer noch nichts vor hat...
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Was ich von der Mehrzahl der Anti-Lee-Demonstranten halte, weiss inzwischen wohl jeder, dass ich Lee selbst genauso wenig schätze, wahrscheinlich aber noch weniger, ebenso. Waren die Demos bis vor einigen Tagen aber zumindest noch größtenteils friedlich, sind jetzt hauptsächlich noch die Radikalen übrig, die meinen ihre Art von "demokratischer Gesinnung" damit zum Ausdruck zu bringen, die sogenannten "neofaschistischen" Tageszeitungen Koreas (75-85% Marktanteil) zu attackieren und deren Büros in Brand zu setzen.
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Inzwischen formiert sich selbst in der Ausländercommunity in Korea Protest gegen diese gewaltsamen Proteste und vereinzelte Ausschreitungen gegen Ausländer durch linke Demonstranten.
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Was ich sehr schön finde, ist, dass eine Menschenrechtsgruppe bei diesen Krawallmachern auf viel drängendere Probleme aufmerksam machen möchte, nämlich z.B. die Versorgungslage in Nordkorea. Während die Südkoreaner offensichtlich nichts besseres zu tun haben als sich vor bösem amerikanischen Essen zu schützen, verhungern derzeit nämlich 50 Kilometer weiter nördlich wieder Menschen - und nahmen begierig deutsches BSE-Fleisch auf und bekommen auch jetzt wieder 500.000 Tonnen Lebensmittel von den USA. Was sagen die linken Demonstranten eigentlich dazu, dass der Teil ihres Volkes im angeblich demokratischeren Teil Koreas, also Nordkorea, der doch so friedlich vor sich hin lebt, nun so bedenkenlos amerikanisches Rindfleisch konsumieren möchte? Warum protestiert denn im Norden niemand dagegen Rindfleisch zu importieren?
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Also wer in Seoul ist, ebenfalls findet, dass nordkoreanische Menschenrechte ein drängenderes Problem für die koreanische Gesellschaft sind als südkoreanische Zeitungsredaktionen zu demolieren, der kann sich ja mal blicken lassen. Wird bestimmt interessant. An dieser Stelle auch noch mal ein Hinweis auf LiNK, Liberty in North Korea, eine sehr engagierte und vor allem unreligiöse NGO insbesondere junger Kyopos und Ausländer, die sich für Menschenrechte in Nordkorea einsetzt.
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Der Schutz der bis zu 1000 erwarteten ausländischen Demonstranten wird übrigens übernommen von... Trommelwirbel... nordkoreanischen Flüchtlingen, die ihre Techniken von der nordkoreanischen Militärausbildung haben. Man braucht also wohl keine Angst um die eigene Sicherheit zu haben.
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Ich poste mal die Originalnachricht von der Gruppe No-No-Demo:
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WHO: You
WHERE: The march will start near the technicolor poo at the headwaters of the Cheongyecheon
WHEN: Saturday, July 5, 2008 @ 6 pm
WHY: To speak for 25 million voiceless North Koreans
ATTIRE: Black Funeral Attire
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Donnerstag, 19. Juni 2008

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Akademischer Austausch
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Irgendwie scheint es mir im Moment so als seien auf diesem Blog die "Nordkorea-Festspiele" ausgebrochen aber das ist nun Mal, was ich im Moment so erlebe.
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Am Dienstag organisierte Herr Dr. Brochlos für interessierte Studenten ein Gespräch mit einem nordkoreanischen Germanistik-Dozenten, der auf Einladung des DAAD derzeit einen 3-monatigen Aufenthalt an der FU verbringt. Menschenzoo - da war das Interesse natürlich sofort größer als z.B. an der Gedenkveranstaltung für eine der größten Autorinnen Asiens aller Zeiten und wir bekamen einen Seminarraum mal richtig voll.
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Der Dozent selbst war - vorsichtig gesagt - schon vom Äußeren als Mitglied der kimistischen Oberschicht zu erkennen. Sehr feine Gesichtszüge, eine brandneue Jacke, gepflegte Zähne, blasse Haut. Dieser Nordkoreaner stand wahrscheinlich selten auf dem Feld. Wie er auch selbst zugab, musste er im Gegensatz zu anderen Nordkoreanern nur 3 Monate zum Militär und wurde danach auf Befehl Kim Jong-ils vom Dienst zurück an die Uni berufen - soviel zur Wehrgerechtigkeit im Garnisonsstaat Nordkorea.
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Und überhaupt, was wir so aus den Aussagen des recht offen redenden Referenten herausziehen konnten, ließ zumindest einige aufhorchen. Wer würde z.B. denken, dass das nordkoreanische Bildungssystem elitärer ausgerichtet ist als das deutsche? In Nordkorea heißt das Gymnasium sogar ganz offen "Elite-Oberschule", das Leben ist von wichtigen Prüfungen geprägt und nicht zuletzt ist das Studium zwar gebührenfrei, aber dafür dürfen im ganzen Land jährlich nur wenige tausend anfangen zu studieren. Noch interessanter ist, dass während es im Süden derzeit viel Opposition gegen die Einführung der sogenannten "Law Schools" nach amerikanischem Vorbild gibt, dies in Nordkorea bereits eingeführt wurde und die juristische Fakultät der Kim-Il-Sung-Universität bereits ausgegliedert ist.
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Ebenso offen sprach der Dozent aber auch mit uns darüber, dass es eigentlisch schade sei, dass er zwar bereits deutsche Literaturgeschichte unterrichte, aber noch nie ein echtes Theaterstück gesehen habe. Es fehle an allen Ecken und Enden an aktuellen Lehrmaterialien und der Unterricht sei methodisch doch ziemlich überholt. Trotzdem sollte man sich keine Illusionen machen, denn auch der so offen daherplaudernde Herr kam schließlich auf den "rechten Weg" zurück und erzählte uns, dass Deutschland doch sehr enttäuschend sei.
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Überall müsse man mit Geld bezahlen und die Medie berichte so frei. Das war tatsächlich faszinierend, denn zwar fing er keine sozialistischen Tiraden an, um uns zu erklären, dass der Fall Fritzl in Österreich auf den Kapitalismus zurückzuführen sei, doch seine Argumentation war nicht weniger dialektisch: Wenn so etwas schon passiere, dann müsse doch bitte die Presse nicht so offen darüber berichten, denn das mache das Volk ja traurig und vielleicht gibt es auch noch Nachahmer, die sich durch die Presseberichte inspiriert fühlen und auch so etwas tun. Ah ja. Leider meinte Herr Dr. Brochlos dann auch noch in den Chor einstimmen zu müssen, sodass ich mich inmitten der dialektischen Medienkritik ein wenig unwohl fühlte.
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Alles in allem aber ein sehr offenes, sehr einblickreiches Gespräch, insbesondere auf das nordkoreanische Bildungssystem bezogen. Ach ja: Wer als Lektor nach Pyeongyang möchte, kann sich jederzeit bei mir melden, es gibt da noch offene Stellen....
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Dienstag, 10. Juni 2008

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Wie Domian nach Nordkorea kam
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Tja, so macht Arbeit Spass. Heute erste Besprechung mit den Nordkoreanern und mein erster Eindruck hat sich bestätigt. Extrem unkompliziert und kein bisschen stur, sondern relativ zugänglich. Selbst, was mir ein wenig Sorge gemacht hatte, nämlich die Streichungen von ein paar Ehrentiteln und das Kürzen von Bandwurmsätzen der Führer, wurden unter Angabe von Gründen problemlos akzeptiert.
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Auch mit der Bezahlung ging einiges deutlich umkomplizierter als ich das aus dem Süden gewohnt bin. Sicher, man möchte nicht den Eindruck erwecken, das es einem schwerfällt Devisen aufzutreiben, aber auch sonst ging das alles unideologisch vonstatten. Und Barbezahlung hat doch noch was Tolleres als langweilige Überweisungen.
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Und dann tauschten wir noch Musik. Die Herren hatten sich Material zum Deutschlernen gewünscht. Und so sind nun Wir sind Helden, Max Raabe, Falco, Seeed und - Domian mit einer Folge über "In unserer Beziehung gibt es ein Geheimnis" zur Analyse im Norden. Ich mein, wenn etwas die Überlegenheit des Sozialismus zeigt, dann ja wohl die allabendlich ausgebreiteten kranken Geschichten von Domian.
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Ich habe dafür nordkoreanische Filmmusik des "Ensembles für Elektronische Musik Pochonbo" bekommen. Könnte fast so eine prenzlauerbergische Undergroundband sein vom Namen her. Endlich befindet sich damit der nordkoreanische Gassenhauer "Hwiparam" in meiner Musiksammlung. Assa!
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Mittwoch, 4. Juni 2008

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Nordkoreanische Forstwirtschaft
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Auch angesichts der schwierigen und komplizierten Sachlage nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der sozialistischen Länder ist das revolutionäre Werk des Geliebten Führers Kim Jong Il im Geiste der Revolution im Geiste des Juche fortzusetzen und Kim Il Sung hoch verehrt zu werden, auch und gerade im Dienst der Übersetzungsschaffenden der Revolution zeigt sich die Treue gegenüber den Prinzipien der Revolution, die unveränderlich das Banner des Sozialismus unserer Prägung darstellen, wobei es allerdings vorkommen kann, dass revolutionäre Wortwiederholungen in sich wiederholender Weise das Werk Revolution behindern, weshalb man verhindern muss, dass solche Wiederholungen das Werk der Revolution behindern, denn Kim Il Sung ermahnte uns, dass solcherlei Wiederholungen das revolutionäre Werk der Partei unter dem Banner des Sozialismus unserer Prägung behindern, was von seiner Weisheit zeugt, uns, die Volksmassen und Übersetzungsschaffenden zu immerwährender und entschlossener Treue in der Durchsetzung des revolutionären Prinzips anzuhalten, was uns insbesondere motivieren soll unveränderlich und treu am revolutionären Prinzip festhalend mit unserem eigenen Blute gegen Wortwiederholungen und endlose Schachtelsätze einzutreten, die die Konterrevolution durch die USA-Imperialisten begünstigen und somit das revolutionäre Werk der Partei und der Volksmassen behindern, das bereits im antijpanischen Widerstand begann und unter der weisen Führung Kim Il Sungs auch im Pulverdampf des Vaterländischen Krieges nicht preigegeben wurde, weshalb auch wir, die Übersetzungsschaffenden und Volksmassen dieses Prinzip unter keinen Umständen aufgeben dürfen und die Wiederholungen in den Texten restlos ausmerzen müssen, damit die USA-Imperialisten nicht das kapitalistische Ausbeutersystem restaurieren können und damit das revolutionäre Werk Kim Il Sungs untergraben wie es von deren Seite lange geplant und immer wieder versucht wurde, was einzig durch den unbändigen Willen der Volksmassen verhindert werden konnten, die sich um Kim Il Sung und die Partei sammelten und die Arbeit des Aufbaus ohne Unterlass weiterverfolgten, auch in der schwierigen und komplizierten Sachlage, vor der wir nun stehen und den Kampf gegen Wiederholungen und Schachtelsätze unvermindert fortsetzen, damit das revolutionäre Werk Kim Il Sungs fortgesetzt werden kann.
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Dienstag, 3. Juni 2008

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Im Auftrag des Teufels
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Hatte heute mein Gespräch mit den beiden Herren vom Fremdsprachenverlag. In der Erscheinung sofort als Nordkoreaner zu erkennen, war das Eis zunächst ziemlich schwer zu brechen, was auch am breiten nordkoreanischen Sprachton der beiden lag, der mir doch trotz meiner Sicherheit im Hochkoreanischen, d.h. Seouler Südkoreanisch extreme Probleme bereitete.
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Nichtsdestotrotz tauschte man einige Floskeln aus und ich konnte zum ersten Mal die im Seminar "Nordkoreanischer Sprachgebrauch" gelernten theoretischen Unterschiede live erleben.
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Zwar hatte ich vorher schon mit nordkoreanischen Flüchtlingen gesprochen - diese passten sich aber schnell dem südkoreanischen Sprachgebrauch an und konnten daher wenig dazu beitragen mir Nordkoreanisch beizubringen. Zwar hatte ich vorher schon mit Nordkoreanern geredet, doch über Floskeln auf der Gaeseong-Tour kam es kaum hinaus.
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Nun also mit den beiden Herren ne gute Dreiviertelstunde über Kim und die Welt geredet und dabei wieder einmal Erstaunliches erfahren. Z.B. wie man auch als Regimekritiker in einem einfachen Gespräch sich so in Aussagen zur eigenen Gesellschaft verwickeln kann, dass der nordkoreanische Gegenüber sein System wieder als das bessere ansehen kann. So wurde mir wieder einmal negativ angelastet, dass ich nicht mehr bei meinen Eltern lebe - das kannte ich ja schon von Frau Min. Komische Koreaner - auf beiden Seiten der DMZ. Jedenfalls war es sehr interessant zu sehen, wo die Interessen der Herren lagen und sie waren für das, was man für ein Bild von Nordkoreanern hat, extrem gut informiert über die Welt um sie herum und wieder einmal sehr sehr freundlich im Umgang. Insbesondere der ältere der beiden hätte mir ohne den Dialekt auch als einfacher Ajeosshi vom Land im Süden unterkommen können und ich hätte den Unterschied kaum gemerkt.
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Was bleibt, ist, dass ich jetzt erst mal die beiden nächsten Monatsmieten gesichert habe - eine temporäre Entlastung, aber besser als gar nichts. Wer hätte gedacht, dass mich einmal der Norden finanziert?
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Zur Übersetzung selbst: Zähflüssiges sozialistisches Redematerial unseres geliebten Führers. Nicht allzu spannend, gleichzeitig aber ein unschätzbar wertvoller Einblick in die politischen Realitäten des Landes.
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P.S. Zur politischen Lage in Südkorea, auf die ich vermehrt durch deutsche Medienberichte angesprochen werde, bitte auf meinen Gom4President-Blog schauen. Da versuche ich das Gewirr kurz und prägnant zusammenzufassen, was aber zum Scheitern verurteilt ist.
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Donnerstag, 29. Mai 2008

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Koreanische Enten
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Der wohl knuffigste Diktator der Welt, Kim Jong Il, ist entgegen vieler Medienberichte NICHT tot. Bei N24 läuft es gerade als Eilmeldung über den Ticker, dass Kim Jong Il einem Attentat zum Opfer gefallen sei, aber dem ist NICHT der Fall. Das war wohl eine Falschmeldung von NewsKorea - alle anderen Nachrichtenagenturen sowie das Blaue Haus und das Wiedervereinigungsministerium haben inzwischen klargestellt, dass sie KEINE Informationen darüber haben.
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Auch die nordkoreanische Nachrichtenagentur berichtet lediglich von zwei Besuchen Kim Jong Ils im Land. Also entweder passiert gerade etwas vollkommen Krasses oder eine unbedeutende südkoreanische Nachrichtenagentur, die noch nie mit großen Meldungen punkten konnte, ist einer Ente aufgessesen - Entscheidet selbst, was wahrscheinlicher ist.
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Mittwoch, 28. Mai 2008

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Geliebter Arbeitgeber Kim Jong Il
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"Pecunia non olet" sagt der alte Lateiner und so halt ich es ab sofort wohl auch. Da der Süden in Form der Stiftung mich ja nicht wollte und auch das Ministerium meinte mir keine formale Anerkennung meiner Leistung zuteil werden zu lassen, die mir ein Semester Uni erspart hätte, laufe ich nun also zwangsweise in den Norden über und versuche da mein Glück. Erst einmal rein arbeitstechnisch.
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Wenn alles glatt läuft redigiere ich also ab nächsten Montag Texte für den Fremdsprachenverlag Pyöngyang. Der Geliebte Führer wird erfreut sein und mich voll Großzügigkeit in seiner umfangreichen Sammlung von Filmen für Erwachsene stöbern lassen - oder mir halt den Mini-Lohn zahlen, den sich der Verlag leisten kann oder will. Das heisst ich werden in den nächsten Wochen wohl Marxismus, Leninismus, Jucheismus, Seongun-Politik und das einzigartige Leben unserer geliebten und großartigen Führer auf korrektes Deutsch überprüfen. Ob die wissen, wen sie sich da ins kimistische Boot holen?
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Also Montag 14 Uhr wieder mal ein Vorstellungsgespräch, kriege da ja langsam Übung drin...
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Donnerstag, 22. Mai 2008

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Crossing
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Irgendwie scheint der Strom an guten Filmen diesen Sommer nicht zu versiegen. So kommt demnächst ein Film in die Kinos, der sicher einmal für viel Diskussion in Korea sorgen wird. "Crossing" heißt er und die Thematik ist höchst brenzlig, geht es es doch um die berührende Flucht nordkoreanischer Flüchtlinge quer durch China und auch um die zurückgebliebenen Angehörigen.
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Meiner Meinung nach zeigt dieser Film vor allem sehr deutlich wie inzwischen das gesellschaftliche Pendel wieder ausgeschlagen ist. Man erinnere sich: Auf der Höhe der Sonnenscheinpolitik durften wir "JSA" erleben, einen perfekt gemachten Film, der zurecht viele Preise eingeheimst hat. Wenn man aber den Inhalt betrachtet, merkt man den Unterschied: Damals ging es noch um heimliche Verbrüderungen entlang der Grenze, d.h. man gab dem unbekannten Feind im Norden ein Gesicht. Heute wird wieder die Fratze von Juche und Lagern gezeigt und dem unbekannten Leid der Insassen dieses größten Strafgefangenenlagers der Welt ein Gesicht gegeben. Was nun besser ist, diese Wertung sei jedem selbst überlassen. Meiner Meinung nach gehören beide Filme in einen Prozeß der Beschäftigung mit dem Norden, wobei bemerkt sei, dass JSA fiktiv ist und nur über die Wirkung Prozesse angestoßen hat, während Crossing auf realen Begebenheiten beruht wie sie fast täglich geschehen. Crossing ruft uns diese nur eindringlich ins Gedächtnis. Der Film jedenfalls sieht vielversprechend aus und ich hoffe, dass eine Menge Menschen im Süden und anderswo sich das Anschauen. Ignoranz tötet.
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Freitag, 21. März 2008

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Human Safari
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Wem die Touren nach Gaeseong oder ins Geumgang-Gebirge zu langweilig sind, also zu wenig Abenteuer bieten, der kann jetzt fuer etwa 100 Euro eine richtige Safari in Nordkorea erleben.
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Und zwar eine "Menschensafari", deren Hauptpunkt das Anlocken von Nordkoreanern mit Wuerstchen und Zigaretten ist. Das ganze wird, wie koennte es anders sein, von findigen chinesischen Geschaeftsleuten an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze vermarktet und durchgefuehrt.
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Dass der Handel auf beiden Seiten blueht, wusste man ja, aber diese Form von "humanitaerer Hilfe" ist doch ein starkes Stueck. Trotzdem moechte ich es nicht sofort verurteilen. Makabererweise verdienen ja beide Seiten daran und die Nordkoreaner bekommen so kostenlos Nahrungsmittel.
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Trotzdem ist die Geschichte extrem verstoerend und mir fielen dabei zwei Zitate von Menschen ein, die mich in meinem Leben in Schule und Uni als Lehrkraefte begleitet haben.
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"Wer nichts zu beissen hat, der erkennt auch nicht den Wert von Dingen wie Menschenwuerde oder Demokratie"
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"Wer kein Dach ueber dem Kopf hat oder unter Hunger leidet, dem ist das letzte, was bleibt, die Sicherheit seiner Menschenwuerde."
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Entscheidet selbst.
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Montag, 11. Februar 2008

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Interview
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Das Interview mit mir ist jetzt online und kann auf der KBS-Seite oder im Berliner Kabelnetz gehoert werden. Ist ueberraschend gut geworden, wenig geschnitten, aber ich laber halt gehoerigen Mist - wie man das von mir so gewohnt ist.
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Wen es interessiert - anhoeren. Wen es nicht interessiert - ignorieren ^^
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Auf diesem Wege moechte ich aber alle Besucher des Blogs, die von der KBS-Seite und den KBS-Hoerergruppen herkommen, hier herzlich begruessen. Fuehlen Sie sich wie zuhause ^^
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Freitag, 1. Februar 2008

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40 Minuten noerdlich von Seoul
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Warnung: Dieser Eintrag wird womoeglich der laengste, den ich hier je geschrieben habe. Ich hoffe jedoch, dass er auch der interessanteste wird, da dieser Bericht kein "Tour"-Bericht als solcher ist, sondern einen noch immer recht seltenen Einblick in eine bestimmte Seite Nordkoreas bietet.
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Tipp: Die im Posting gezeigten Fotos sind gewaehlt, um Teile des Posts verstaendlicher bzw. anschaulicher zu machen. Teils muss man durch Klicken vergroessern. Die insgesamt 106 Fotos, die durch die Kontrollen gekommen sind, sieht man in der Picasa-Galerie. Da diese aber meist touristische Fotos von traditionellen Gebaeuden sind, muessen sich Leute, die an so etwa nicht interessiert sind, kaum die Muehe machen sich dort durchzuklicken. Wobei auch dort einige wunderschoene Fotos dabei sind und ihr sonst nicht wisst, wo die Damen in der Goryeo-Dynastie baden gingen und sich dabei von den edlen Herren zuschauen liessen...
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조선민주주의인민공화국 가는 려행
Eine Reise in die Demokratische Volksrepublik Korea
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Dieses Titelbild irritiert nach den Ankuendigungen von Fotokontrollen vielleicht schon die ersten Leser. Es ist tatsaechlich nicht meins. Aber ich habe dieses Foto ausgewaehlt, weil es am besten klarmacht, was wir zwar zu sehen bekamen - aber niemandem ausserhalb Nordkoreas zeigen sollten. Das Bild eines einstmals relativ wohlhabenden Landes im sozialistischen Stil, das sich heute in einem Zustand befindet, der von mir nicht nur wegen der total zerstoerten Landschaft nicht mal als mittelalterlich, sondern eher nur noch als "marsianisch" bezeichnet werden kann.
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Dieses Foto zeigt eine Szene, wie sie sicher auch in einer suedkoreanischen Provinzstadt entstanden sein koennte - der Unterschied ist nur, dass dies in Suedkorea die Ausnahme waere, hier findet man kaum andere Szenen. Mit Plastikplanen zugehaengte zerbrochene Fensterscheiben, leere Kauflaeden, aber die klischeehaften Bilder der Kims, wo sogar der Gehweg davor penibel gepflegt ist..kein Stueck Farbe blaettert ab, waehrend im einzigen Kaufhaus nebenan im Schaufenster drei alte Wollpullover als Aushang haengen - kein einziger Kunde waehrend der 30 Minuten, wo ich einen Blick drauf habe.
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Doch zurueck zum Anfang.
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Gwangwhamun-Lovesong (광화문연가)
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Natuerlich konnte ich vor Aufgeregtheit nur knapp 2 Stunden schlafen und machte mich dann viel zu frueh auf ins Zentrum - natuerlich per Taxi, weil zu dieser Zeit weder U-Bahn noch Bus fuhren. Vorbei an Hochhaeusern, breiten Buergersteigen, Alleen, kurz zum Geschichtsmuseum und anschliessend in einen Convenience Store was zu Trinken holen bis der Bus schliesslich kam. Als es schliesslich um 6 Uhr mit leichter Verspaetung losging (unsere Chinesin war zu spaet...-.-) fing der Verkehr bereits an dicht zu werden, Busse fuhren, lauter Menschen auf der Strasse, das Leben begann.
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Je weiter noerdlich es auf der Autobahn ging, die ich bereits zwei Mal bereist hatte (einmal bis ans Observatorium und einmal "theoretisch" auf nordkoreanischem Boden in der DMZ), desto unheimlicher wurde es. Was man tagsueber nicht mitbekommt, ist, dass hier die ganze Nacht ueber an vielen Strecken-Abschnitten das Licht aus ist, dafuer aber riesige Suchscheinwerfer alles ableuchten und Hubschrauber umherfliegen. Nur an vereinzelten Wachposten sieht man Licht brennen.
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Buerokratie, wenn auch vorbildlich
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Eine erste Einweisung zu den Ausreiseformalitaeten erwartete uns im hochmodernen, penibel sauberen "Sued-Nord-Aus- und Einreisebuero " (남북출입사무소). Das Prozedere geht sehr schnell, schon hier gehen mir einige mitgereiste aeltere Herrschaften auf den Geist, die auch nach der dritten Ansage nicht verstehen, wo sie sich anstellen muessen, waehrend ich bloeder Auslaender das schon beim ersten Mal kapiert habe.
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Das Personal von Hyundai Asan ist aeussert freundlich, offensichtlich bis ins Detail geschult und liefert jedem seinen Packen an Ausweisen. Allein an Ausweisen braucht man einen fuer den Sueden, einen fuer den Norden und zusaetzlich seinen Reisepass. Dazu bekommt man Zoll-Unterlagen, eine Broschuere, Busfahrtickets und das alles in einem schicken Umhaenger
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Womit ich keinerlei Kritik ueben moechte. Alles funktioniert sehr reibungslos, ist trotz der Zahl an Teilnehmern relativ schnell erledigt, aber ist dafuer, dass Suedkorea den Norden per Verfassung noch immer als Teil des eigenen Territoriums betrachtet dann doch recht aufwendig. Zumindest die Untersuchung des Gepaecks (alles wie auf einem Flughafen) erweist sich als meist ueberfluessig, da so ziemlich alles nicht in den Norden eingefuehrt werden darf.
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Handies sind grundsaetzlich verboten. Ebenso Zeitungen, Zeitschriften und Buecher, die mit der aktuellen Weltlage zu tun haben oder sued- bzw. nordkoreanischer Geschichte. Genauso alle Geraete, die faehig sind Ton abzuspielen oder aufzuzeichnen. Des weiteren Kameras, sofern sie nicht digital sind. Warum nur Digitalkameras durchkommen, sollte uns spaeter klar werden. Jedenfalls war ich so von meinem Buch ueber koreanische Kunst des 20. Jahrhunderts und allem sonstigen Ballast dieser Welt befreit, der in einem Beutel vakuumversiegelt wurde und von Hyundai Asan im Sueden zwischengelagert wird.
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Der Bus steht einige Minuten. Erst zu einer genau bestimmten Zeit darf der Bus die Linie ueberqueren. Dann fahren die Busse von Dorasan aus. Die Demarkationslinie, die Herr Roh ueberschritten hat, existiert interessanterweise nicht. Sie wurde extra fuer den Gipfel aufgemalt, ums fuer die Fotos bedeutungsschwangerer erscheinen zu lassen. So merkten wir gar nicht, dass wir in Nordkorea ankamen.
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Auf der Achse des Boesen
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Erst als ploetzlich 2 Meter ausserhalb des Busses ein nordkoreanischer Soldat in dieser sozialistischen Uniform auftaucht und danach alle paar Meter ein weiterer, merkt man, dass man sich bereits woanders befindet.
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Sofort werden wir gebrieft: Keine Fotos aus dem Bus, sonst wird die Tour gecancelt. Die Nordkoreaner moegen uns nicht mit "Genosse" anreden und wir sollen die suedkoreanischen Bezeichnungen weglassen. Ein normales "Seonsaengnim" wurde von beiden Seiten festgelegt. Wer sich ausserhalb der Markierungen begibt, dort evtl. sogar Kontakt mit Nordkoreanern aufnimmt, Nordkorea oder Nordkoreaner beleidigt etc. kann mit Geldstrafen belegt werden.
Auch sollte man nicht Nord- und Suedkorea sagen, sondern die Nord- und Suedseite.(남측.북측)
Auch dies sollte sich im Laufe des Tages als problematisch erweisen.
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"Und bitte...Sie werden Szenen sehen, die Sie seit Jahrzehnten im Sueden nicht mehr gesehen haben...trotzdem sollten Sie bitte Abstand davon nehmen zu sagen 'hier siehts ja aus wie in den 60ern' oder aehnliche Dinge, die Nordkorea kritisieren koennten. Sie sollten Sued- und Nord auf keinen Fall miteinander vergleichen. Es ist bereits vorgekommen, dass aeltere Herrschaften unseren nordkoreanischen Kollegen einen Schoko-Riegel angeboten haben mit den Worten 'du siehst hungrig aus, ihr bekommt hier ja nichts Richtiges'. Wir bitten noch einmal von solchen verletzenden Bemerkungen im Namen der Annaeherung zwischen Sued und Nord Abstand zu nehmen. Sie bauen gemeinsam an dem Haus, das Vertrauen heisst"
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Dann am Einreisebuero der Nordkoreaner sah man schon die ersten Veraenderungen der neuen Zeit: Die Offiziere fuhren mit Hyundai-Gelaendewagen umher, das Gebaeude selbst war vom Sueden finanziert und so mit hochmodernen Roentgen-Geraeten ausgestattet. Einen nordkoreanischen Soldaten in seiner duennen abgewetzten Filzuniform zu sehen wie er vor einem hochmodernen Computer sitzt, das war schon so der erste von einigen Kulturschocks.
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Der naechste war dann beim genaueren Hinsehen: Da die Uniformen offensichtlich nicht sehr dick waren und man das hochmoderne Gebaeude wohl nicht heizen konnte, haben die Soldaten von Hyundai billig gefaelschte Burberry-Schals bekommen. So hatte dann jeder unter seiner Volksarmee-Jacke unauffaellig einen solchen Schal, der aber bei manchen Damen doch hervorlugte. Die Widerspruechlichkeit des Regimes lag somit schon nach 2 Minuten im Land in der Luft.
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Ebenso wie der Diesel-Gestank, den man so gut aus dem Ostblock kennt bzw. in den meisten Teilen desselben kannte. Die ersten Minuten inmitten dieser verpesteten Luft waren sehr schwer zu ertragen. Dagegen ist die Seouler Luft wirklich erfrischend.
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Willkommen auf dem Mars
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Wieviel wuerde man von Nordkorea zu sehen bekommen und vor allem was. Das war die Sorge vor der Reise und jetzt, wo sich unsere Delegation mit immer einem Armeewagen der Nordkoreaner dazwischen in Bewegung setzte, bekamen wir eine ganze Menge recht schonungslos mit.
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Es sind keine Geruechte, es ist die bittere Realitaet: Der Norden hat keine Baeume. Keinerlei Baeume. In der Naehe menschlicher Siedlungen (man kann sie kaum Doerfer nennen) gibt es teils nicht einmal Straeucher. Bei fehlender Vegetation, man muss es kaum erwaehnen, haben Huegel im Wind Nordostasiens keinen Halt, sodass ueberall zerklueftete Krater und halbe Huegel herumstehen. Auf der uebrig gebliebenen Haelfte wird dann Ackerbau betrieben. Auf dem steilsten Anstieg sind kleine Felderchen, die vom anstrengenden Kampf um ein wenig Reis erzaehlen.
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Kombiniert mit der roetlichen Lehmerde Koreas, zudem im Winter, bleibt einem dementsprechend kein anderes Wort als "Mars", um diese Landschaft zu beschreiben. Auch die vielen verfallenen einfachen Haeuschen sprechen eine eindeutige Sprache.
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Fuer den Rest der Fahrt wusste ich: Hoffnungsvolle Zeichen, so es sie gibt, wuerde ich mit viel Konzentration und ein wenig Nachdenken suchen muessen.
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Gaeseong - Hauptstadt von Mars-Land
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Man straeubt sich, man moechte ohne Vorurteile ans Land heran gehen, aber natuerlich vergleicht man an allen Ecken mit Suedkorea. Und obwohl die inzwischen im Bus sitzenden "Begleiter" die ganze Zeit versuchen die Leute mit uninteressanten Infos ueber die Geschichte Goryeos, die jeder kennt, zu ermueden, kann ich nicht anders als aus dem Fenster zu gucken und alle Zeichen zu deuten, alles zu vergleichen.
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Und zu meiner Ueberraschung werden wir nicht an der Stadt vorbeigefueht, sondern mitten hindurch. Wieviel von dem, was wir sehen ist echtes Leben, was ist arrangiert?
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Man sieht Leben, wenn auch sehr sehr ruhiges Leben. Einfache Leute in Autos gibt es nicht, aber zu meiner Verwunderung viel mehr Fahrraeder als ich das erwartet hatte - gelten Fahrraeder doch laut vieler schlauer Nordkorea-Buecher als Luxusobjekt, das erst in letzter Zeit fuer kadertreue Menschen erschwinglich geworden war. Inmitten der heruntergekommenen Plattenbauten, der versandeten Wege, der schlammig-gruenen Baeche laufen erstaunlich wohlgenaehrte, verhaeltnismaessig wohlgekleidete Leute herum, alle die gleiche Marke an Fahrrad. Zweifel bleiben, denn warum schieben einige das Fahrrad lieber als zu fahren? Warum gibt es keine Leute, die nicht piekfein angezogen sind? Warum es kaum alte Leute gibt, darueber gibt die Lebenserwartung Nordkoreas Auskunft, aber ist dieses bisschen Leben schon Teil einer Show?
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Und warum sind dann die Haeuser und Wege in einem solch erbaermlichen Zustand? Mit Stoff oder Plastik zugehaengte, zerbrochene Fensterrahmen ohne -scheiben. Holperwege, auf denen nur die Armee mit ihren Hyundai-Jeeps voran kommt.
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Und das, was einen wieder daran erinnert, dass Sozialismus ist: Unendliche Reihen von Denkmaelern, leere Laeden, die ohnehin nur vereinzelt auftauchen. Und natuerlich die Sprueche, die an jeder Ecke in leuchtend roten Farben in des Nordkoreaners Lieblingsschrift die Stadt "verzieren".
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Es sind immer die gleichen, leeren Aussagen, die ich schon nach 10 Minuten ignoriert habe. Nordkoreanern wird es nicht anders gehen, warum also dieses Dekorum, von dem sogar Kim Jong Il schon gesagt haben soll, dass es ihn anoedet?
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Der Grossartige Fuehrer Genosse Kim Jong Il lebe hoch! (위대한 령도자 김정일동지 만세!)
Die Grossartige Militaer-Zuerst-Politik lebe hoch! (위대한 선군정치 만세!)
Es lebe die Sonne des 21. Jahrhunderts General Kim Jong Il (21세기의 태양 김정일장군님 만세!)
Der geliebte und verehrte Fuehrer Kim Il Sung ist fuer immer bei uns (경애하는 김일성 령도자는 영원히 우리와 함께 계신다!)
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Die Liste koennte weiter gehen, doch die Sprueche fuer Kim Jong Ils Mutter und die Partei habe ich nicht mehr im Kopf.
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Jedenfalls gab es selbst im Zentrum Gaeseongs auf einem breiten Boulevard nur vereinzelt Geschaefte. Mal ein Friseur und Barbier, der auf nordkoreanisch "리발관" heisst, mal ein kleines Restaurant, alle paar hundert Meter ein 책방, wo man kostenlos Buecher lesen konnte, die jedoch in einem Zustand waren, den man schon vom Bus aus betrachtet als unlesbar beschreiben muss.
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Menschen hinter Gittern
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Was ebenfalls auffaellt: Dafuer, dass wir uns in einem "sozialistischen Arbeiterparadies", in einem Land befinden, wo es keine Kriminalitaet geben soll, ist es bezeichnend, dass teils bis in den dritten Stock die meisten Wohnungen und alle Geschaefte vergittert sind. Es scheint also noch eine andere Wahrheit zu geben neben den wohlgekleideten und ernaehrten Buerger, die am hellichten Tag ohne Eile auf den Hauptstrassen entlang flanieren.
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Besonders bewegend waren zwei Schulkinder (die offensichtlich um 10 Uhr schon genug gelernt hatten fuer den Tag) und an unseren langsam durch die Stadt fahrenden Bussen entlangrannten und uns - bzw. mir - ausgelassen zuwinkten. Diese Kinder werden, wenn sich nichts aendert, ihr Leben lang lernen, dass Kim Jong Il ihr Vater ist, dass sie ihren unendlichen Reichtum ihm zu verdanken haben. Und jetzt kommen sogar die Auslaender, um sich diesen Wohlstand anzuschauen. Sie werden, wenn sich nichts aendert, nie wissen, dass es ein Medium gibt, das sich "Internet" nennt, in dem man frei seine Meinung aeussern kann. Man verzeihe mir meinen Pathos, aber nie zuvor habe ich den ausgelutschten Wert "Freiheit", Selbstbestimmung des Lebens, Freiheit zu Information etc. so hoch geschaetzt.
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Alle Nordkoreaner, die ich kennenlernen durfte waren von ausgesprochener Freundlichkeit und Offenheit. Fast alle laechelten und das war nicht aufgesetzt. Man verzeihe mir auch diese gewagte Theorie, aber fast scheint es, dass diese Leute gluecklich sind mit ihrem Leben, eben weil selbst sie, die sie mit dem Ausland arbeiten, nur eine vage Ahnung haben, was dort vorgeht.
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Ein Mitreisender musste unserem Touristenfuehrer erklaeren, dass er in einer Firma arbeitet, die Flugreisen nach Europa organisiert, woraufhin der Touristenfuehrer, ansonsten ein freundlicher Mann, etwas verlegen antwortete: "Na Fliegen ist mir doch ein wenig zu gefaehrlich. Wir Koreaner sollten lieber im Land bleiben. Ist unsere Heimat nicht schoen genug, das man immer um die Welt muss?"
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Solcherlei Konversationen zwischen den Fuehrern und uns gab es viele. Wobei man auch zur anderen Seite der Reisenden ein Wort sagen sollte.
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Touristen...
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Touristen, insbesondere auf Gruppenreisen, sind anstrengend. Und so war auch unsere Reise ein wenig so la la. Natuerlich reisten wir nicht allein. Der einzige Vorteil, den wir als Delegation hatten, war, dass wir den hinteren Teil des Busses fuer uns hatten, die doppelte Zahl an nordkoreanischer Begleitung und dafuer aber bei der Buerokratie als erste und bevorzugt behandelt wurden.
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Ansonsten war es eine wilde Mischung an Leuten. Eine ebenso "Delegation" einer Firma, die unueberhoerbar aus Gyeongsang kam mit Abteilungsleitern und sonst was allem inklusive Frauen und normale Touristen, hauptsaechlich aeltere Semester, aber auch normale Ehepaare und Kinder.
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Was man im Bus erlebte, spottet jeder Beschreibung. Fuer manche war es der wohl bewegendste Moment des Lebens (noch eher als fuer mich). Die Aelteren hielten beim Abschied die Haende ans Fensterglas und begannen zu heulen, waehrend einige Damen, die den Ausflug wohl nur zum Prahlen gebucht hatten bei der Fahrt durch die Landschaft einfach nur schliefen.
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Unglaublich sowas. Auch eine Moeglichkeit: Den Norden ignorieren, die wichtigen Touristenstaetten abklappern und dann im Sueden erzaehlen wie toll Nordkorea ist. Am besten noch in Organisationen wie Ilsimhoe oder Hanchongnyeon erzaehlen wie wunderbar die Touristenstaetten bewahrt sind.
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Jedenfalls begann dann das Touristenprogramm. Zunaechst in die Berge in etwas, was im Sueden als Nationalpark oder wohl eher Provinzpark bezeichnet werden wuerde. Je weiter man von den menschlichen Siedlungen wegkam, desto mehr kam ein wenig Vegetation zum Vorschein. 20 Kilometer ausserhalb von Gaeseong schliesslich sah man richtige Baeume, erstaunlicherweise mehr Nadelbaeume als im Sueden, was mit Schnee sehr schoen aussah. Und hier war eines der hoffnungsvollen Zeichen: Zaghafte Spuren von Aufforstung in unterschiedlichen Stadien, teils erfolgreich, teils schon wieder abgehackt, aber immerhin da. Das wollte ich natuerlich fotografieren.
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Aber selbst hier, inmitten von Natur durfte man nicht fotografieren. Offensichtlich auch hier irgendwo Militaerstellungen in der Naehe.
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Und natuerlich das interessanteste Phaenomen: An jeder Strasse - wirklich jeder noch so kleinen - stehen Soldaten. Wie wir spaeter durch den Tourfuehrer herausfanden, als die Nordkoreaner wieder aus dem Bus weg waren, kontrollieren die jeden, der vorbeikommt. Das soll verhindern, das Leute, die nicht passend sind sichtbar werden. Und nicht zuletzt braucht man in Nordkorea inzwischen um von Dorf zu Dorf (!) zu kommen eine Genehmigung. Wer diese nicht hat, wird zurueckgeschickt, was die auf jeder Strasse postierten Soldaten ueberwachen.
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Ueberhaupt - hier ueberwacht die eine Haelfte des Landes, d.h. die Soldaten, die andere Haelfte des Landes. Vollkommen sinnlos. Vollkommen unglaublich.
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Ein Gefrorener Wasserfalll und ein falscher Buddhist
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Endlich im Park angekommen wieder Schmunzeln. Die Infoplatte erinnert mit ihrer handgemalten Karte eher an 50er Jahre als an das, was man von Korea heute gewohnt ist. Die daneben befindliche Tafel war weiss ueberstrichen. Was auch immer dort gewesen sein mag.
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Auf ging es - und da viele aeltere Leute auf dem Weg waren, legte man die Tour betont mit viel Zeit, was mir Zeit liess viel zu erkunden, genau hinzuschauen. Doch hier in den Bergen, wahrscheinlich aehnlich wie im Geumgang-Gebirge, kann man retuschieren, bzw. muss nicht viel verstecken, da alles ist wie in Korea: Ein Baechlein, wunderschoene Berge, grosse Baeume und irgendwo oben ein Tempel. Und doch war auch hier Nordkorea.
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Einmal abgesehen von den weiss angepinselten Steinchen, die an die Baeume auf dem Hauptweg gelegt wurden, um sie zu dekorieren, sah man schon nach wenigen Metern, das man nicht im Sueden ist. Folgendes Schild z.B.
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Es bezeichnet ein "Wisaengsil", also einen Hygieneraum, was die nordkoreanische Bezeichnung fuer Klo ist. Aber ebenso wie im Sueden die Hwajangsil (화장실) meist nur wenig mit Schminken zu tun haben, sind die nordkoreanischen Klos nicht unbedingt hygienisch. Selbst hier auf der Touristenroute haben die Klos keine Spuelvorrichtung, es fliesst einfach irgendwo hin. Waschbecken gibt es auch keine, nur eine Tonne mit Wasser, wo leider schon das meiste gefroren ist. Wenn man schon eine Show aufziehen will, dann sollte man nicht die Armen von den Strassen nehmen, sondern lieber richtige Klos einbauen! Das wuerde mich mehr beeindrucken.

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Das naechste, was unschoen auffaellt, sind die Einritzungen mit sinnlosen Sinnspruechen der Kims. An sich ist das nichts Schlimmes. Die landschaftlich schoene Gegend um Gaeseong war schon immer beruehmt dafuer, dass Adlige und normale "Touristen" bei einem Besuch ihren Namen von Dienern eingeritzt, hinterliessen, um der Nachwelt zu zeigen, wer hier war.

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Schlimm ist eigentlich daher nur, dass man bei einigen dieser sinnlosen nordkoreanischen Fuehrerkult-Spruechen sieht, dass buddhistische Inschriften oder konfuzianische Gedichte einfach abgeschliffen wurden, um so sinnvollen und originellen Spruechen wie dem obigen "Es lebe Genosse Kim Il Seong" Platz zu machen.
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Fotos vom Wasserfall, extrem gefroren, sieht man in der Galerie (ganz unten), deshalb nur so viel dazu: Er gilt als einer der 3 schoensten Wasserfaelle Koreas, weil er geradezu horizontal herausgeschossen kommt. Inspirierte viele viele Gelehrte zu Gedichten und Oden auf diesen maerchenhaften Platz. Nicht zuletzt waren auch die beruehmtesten Gisaeng-Damen hier oft zu Gast und es soll nicht selten vorgekommen sein, dass Maenner darauf warteten, bis sie sich hier zu Bade begaben...
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Weiter rauf ging es einen steilen Weg. Da fiel mir auf. Nicht nur die Wege sind anders als im Sueden, hier ist gar kein Leben. So wie die Staedte ausgestorben sind, sieht man hier kein einziges Tier, man hoert es auch nicht. Kein Vogel, kein Nichts. Einfach nur tot. Jedenfalls wurde von oben der Blick auf einige wunderschoene Gipfel, umrahmt von alten Kiefern frei - wunderschoen, malerisch und ohne Frage so inspirierend, wie es schon die Gelehrten von Songdo beschrieben.
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Doch nur kurze Zeit spaeter die Enttaeuschung namens Gwaneumsa. Das geradezu niedliche Wohnquartier der Moenche im typischen nordkoreanischen Landhausstil (kein Witz, sieht wirklich schoen aus ^^) irgendwo zwischen koreanischer Tradition und russischer Blockhuette durfte ich nicht fotografieren, dafuer begruesste uns an der wunderschoen restaurierten Haupthalle ein alter Moench, bzw. ein alter Mann.
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Dass dieser Mann kein Moench war, fiel nur mir und einer anderen Buddhistin auf. In der Haupthalle lagen keinerlei buddhistische Gesangstexte, alles war dekorativ angerichtet, ebenso wie der Spendenbehaelter neben der Buddha-Statue. Der Moench selbst in seiner brandneuen Moenchskutte guckte vollkommen verstoert. Es war sogar so, dass er die Bet-Bewegungen der Touristen nachmachte! Allerdings keine Niederwerfungen, nur normale Verneigungen. Ich wusste nicht, wer mir mehr leid tat. Der Buddhismus, der hier so ausradiert und parodiert wurde, die dummen Suedkoreaner, die drauf reinfielen oder - und dafuer entschied ich mich - der alte Mann, der wahrscheinlich von der Partei gezwungen wurde hier fuer die Partei das Aushaengeschild der Religionsfreiheit zu mimem. Man sah ihm seine Verzweiflung geradezu an.
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Das Heilwasser aus der Quelle floss auch nicht so richtig und so stiegen wir bald wieder herab. Bis hier oben hatte sich der Diesel-Gestank der Luft Gott sei Dank nicht gehalten, sodass man richtig erfrischt war.
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Suesses Kohlensaeurewasser 1 Dollar
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Und fuer diejenigen, die ein wenig was trinken wollten, hatten die geschaeftstuechtigen Nordkoreaner ueberall Plastikbuden aufgestellt, mit den immer gleichen Angeboten, natuerlich nur gegen harte Dollar. Gibt es einen groesseren Widerspruch als Dollar als offizielle Waehrung in Nordkorea? Wahrscheinlich sammelt der Norden alle Dollar der Welt auf und treibt die USA damit in den Ruin oder so...
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Jedenfalls ist das Angebot an Waren, so es sie denn gibt, ebenfalls sehr interessant, wenn man genauer hinschaut, und das sollte man als Koreanist auch bei Getraenkeflaschen, denn wie sagt Dr. Ruediger Frank zurecht:
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"Mit Koreanisch kannst du zwar die Schilder in Nordkorea entziffern, aber ohne fundierte inhaltliche Ausbildung weisst du trotzdem nicht, was sie bedeuten. Und wenn du nur Politikwissenschaften studierst, kannst du nach Nordkorea gehen und trotzdem wiederkommen ohne irgendwas zu verstehen"
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Langweiligerweise sieht Mineralwasser wohl selbst in Nordkorea nicht anders aus als anderswo auf der Welt. Aber schon bei Pfirsich-Limonade fangen die Unterschiede an:
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Um einem westlichen Begriff wie "Limonade" oder "Cider", die Bezeichnungen Suedkoreas fuer kohlensaeurehaltige Fruchtsaftgetraenke zu umgehen, nennt man seine Limonade einfach, ich zitiere recht woertlich: "Kohlensaeure(haltiges) suesses Wasser)" (탄산단물).
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Noch schoener wird der Sozialismus dann bei der Snackauswahl. Wo ich zum ersten Mal bemerkt habe, dass das Fehlen von Markenfirmen, von Markt und Wettbewerb interessante Blueten treiben kann.
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Waehrend naemlich wenigstens die Verpackungen ein wenig unterschiedlich aussehen, haben die nordkoreanischen Suessigkeiten keine so ebenso sinnlosen wie wohlklingenden Namen wie "Banana Kick" oder "Chocoheim". Vielmehr heissen die grandiosen Snacks der Werktaetigen von Baekdusan bis Gaeseong "Suessigkeiten". Oder eben "Brot". Wie man sieht, sind unterschiedlich verpackte "Brote" von zwei unterschiedlichen Firmen erhaeltlich. Aber beide heissen "Brot". Und mehr Info gibts nicht.
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Im "Zentrum"
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Weiter ging es zum Mittagessen in die Stadt, genau genommen wieder zurueck ins Stadtzentrum zu dem Kaufhaus ohne Kaeufer. Am Huegelende die grosse Statue von dem gewissen Herren Kim, den die Leute hier anbeten duerfen/muessen.
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Das Tongilgwan, das beste Restaurant am Platze erwartete uns schon sehnlich. Sozialistischer Prachtbau, jedoch auf die Groesse einer 300.000-Einwohner-Stadt geschrumpft. Auf dem Tisch Plastik ueber der Tischdecke, damit man die nicht so oft waschen muss. Auf einem Bildschirm laufen die Klassiker der Revolutionsmusik von "Ich sehne mich nach Pyeongyang" ueber "Der Genosse Kim ist mein Liebhaber" und "Kimchi Ggakdugi" bis hin zu "Die Rote Flagge ist die schoenste" und "Unser Fuehrer Kim Jong Il".
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Das Essen war unglaublich lecker. Das typische Essen Gaeseongs, Reis und 12 weitere Schaelchen mit allerlei Leckereien von Galbijjim, Kimchi und aehnlichem bis hin zu halben Eiern, frittiertem Fisch und dem ersten essbaren Yakgwa meines Lebens!
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Ueberhaupt - das Essen war grandios. Vor allem, dass man hier weniger Chili und mehr Pfeffer benutzt, laesst das ganze denke ich insbesondere fuer Auslaender besser munden.
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Trotzdem liess ich die Haelfte des Essens uebrig - denn wie ich mich vorher informiert hatte und vieldeutig von einem der suedkoreanischen Fuehrer erfahren hatte "weggeschmissen wird hier nichts". Ob es nun die Angestellten im Restaurant, Schulkinder oder Parteigenossen bekommen, irgendjemandem wird es zugute kommen.
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Und beim Essen rutschte dann einigen Suedkoreanern auch etwas "Ungewolltes" raus. So prosteten sich die Herren neben mir zu: "Hach...eine einfache Huehnersuppe...sowas hatte ich das letzte Mal vor 20 Jahren...und der Soju ist noch fuer echte Maenner".
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Tatsaechlich hat der Soju im Norden 3% mehr - und die schmeckt man ganz schoen ordentlich.

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Die Bedienungen sind allesamt handverlesen und ab einer gewissen Groesse. Da leider heutzutage nicht genug auf die noetige Groesse von 1.65m fuer Frauen kommen, wird bei einigen mitunter mit schwindelerregend hohen Schuhen geschwindelt, die das Fortbewegen nicht unbedingt erleichtern.
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Die Bedienung, die im Bild zu sehen ist, war uebrigens das, wie man sich eine alte Dame aus der Joseon-Dynastie vorstellt...und irgendwie kam sie ja tatsaechlich aus Joseon, wenn auch der Volksrepublik und die Dynastie war nicht die Yi- sondern die Kim-Dynastie. Ein Charme, der alle gefangen nahm, eine ausgewaehlte Freundlichkeit und Aufmerksamkeit und dabei ein Witz, eine Stimme, ein Laecheln. Da war das ausgelutschte koreanische Sprichwort 남남북녀 (Maenner im Sueden, Frauen im Norden), das beschreibt, wo die attraktiven Menschen sind wieder einmal extrem wahr. Ueberhaupt sind die nordkoreanischen Frauen wirklich grandios. Wenn man sie nicht gerade zu Rummelnuttenschminke wie in den Souvenir-Laeden zwingt, haben sie eine natuerliche Schoenheit, die grandios ist und sich nicht unbedingt nur aufs Aussehen bezieht.
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Uebrigens, auch hier, im feinsten Restaurant, fuer Touristen aus Feindesland, scheint die Ressource Waerme nicht ausreichend, um den Saal aufzuheizen. Die Nordkoreaner frieren aber nicht sichtlich, nur wir ziehen uns unsere Jacken an.
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Stadtrundstand
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Beim anschliessenden Blick auf die Innenstadt frieren wir fast fest. Dadurch, dass die Gebaeude recht aufgelockert stehen und es so gut wie keine Vegetation gibt, die den Wind aufhaelt, peitscht er geradezu durch die Strassen.
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Was auffaellt, sind die handgemalten Strassenschilder, teils sogar aus Pappe.
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Direkt gegenueber des Nichtkaufhauses ist eine riesige Baustelle, Haeuser wurden abgerissen, ein mit roten Flaggen dekorierter Kran steht da - aber keine Bauarbeiter. Kein Baugeraet, kein Material. Was kommt hier hin, was war hier mal - was soll das? Erfahren werden wir es nicht. Unsere Stadtfuehrung ist darauf beschraenkt zu Fuss bis zur Bordsteinkante zu gehen. Herunter duerfen wir leider nicht, wie es heisst"aus Sicherheitsgruenden", wir wuerden den Verkehr behindern.
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Der Verkehr, hier leider nicht wie in Pyeongyang von schoenen Damen in schoenen Uniform, sondern von haesslichen Maennern in noch haesslicheren Uniformen geleitet, existiert nicht. Alle Minute ein paar Fahrraeder, doch dann passiert es: Ein VW-Passat, schwarz, neuestes Modell mit Wurzelholz. Drinnen einige hohe Militaers. Sind wohl selbst geschockt, dass sie hier entlang gekommen sind als wir da sind und beschleunigen ploetzlich das Tempo.
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Nicht mal zum Suedtor der alten Stadt duerfen wir ruebergehen. 30 Meter trennen uns, Fotos duerfen wir keine machen "Die Bewohner der Umgebund fuehlen sich gestoert durch die vielen Touristen".
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Die Nordkoreaner begegnen uns sehr unterschiedlich. Einige winken freundlich, andere gucken (wie man es aus den Dokus kennt) bewusst in eine andere Richtung und ignorieren uns.
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Weiter geht es zur alten Privatakademie, wo der legendaere General Jeong Mong-ju, einer der Vier Helden der Stadt, lebte und lehrte.
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Treue bis in den Tod
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Weshalb es als naechstes in einen anderen Stadtteil Gaeseongs ging, der auch nicht besser wurde. Genau genommen wurde es noch schlimmer. Wo im Zentrum noch Schulen mit Spielplaetzen waren, ging es nun vorbei an vollkommen desolaten Siedlungen bzw. zersiedelten Ansiedlungen, Fabriken, in deren Ruinen die Kinder spielten - die Fluesschen nebenan waren aber trotzdem gruen und braun, was fuer die Existenz irgendeiner Art von Industrie irgendwo Zeugnis stand und ploetzlich tauchte, in einem ummauerten Gebiet, inmitten einer Parkanlage ein renovierter Plattenbau auf. Das einzige Hotel der Stadt. Aber Hotel hiess es nicht, sondern es hatte einen komplizierten Namen und wir erfuhren, dass hier gerne Verhandlungen zwischen Sued und Nord stattfinden wuerden, allerdings die etwas Geheimeren. Zudem sahen wir nebenan zum ersten Mal das, was ein annehmbares Wohnhaus war: Gepflegter Garten, gestrichener Zaun, schoenes altes Ziegelhaus, moderne Fenster. "Wer hier wohnt duerfen wir nicht wissen", war der Kommentar der Touristenfuehrer aus dem Sueden.
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Jedenfalls waren wir an einer DER bekanntesten Touristenattraktionen der gesamten Halbinsel angekommen, der Seonjuk-Bruecke, wo besagter Jeong getoetet wurde und damit das Schicksal der sterbenden Goryeo-Dynastie besiegelt war. Sein Blutfleck ist angeblich immer noch zu sehen und tatsaechlich sieht man etwas rot-braunes, was ein Blutfleck sein koennte - waeren da nicht die 400 Jahre seit der Ermordung. Wie auch immer. Weiter in einen wunderschoenen kleinen Schrein und zur Ueberraschung aller, dann auch direkt rein. Der Umgang mit kulturellen Staetten des Nordens ist...problematisch bis aufregend.
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Dass man alles anfassen darf, ist vielleicht ganz nett, aber tut den Ueberresten bestimmt nicht gut. Trotzdem ein interessantes Erlebnis einer 26-Tonnen-Schildkroete so gegenueber zu stehen - man koennte aus dem Norden touristisch echt was machen.
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Museum zum Anfassen
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Bleiben wir ruhig beim Umgang mit Kulturschaetzen und vergleichen wir mal wieder, was wir ja nicht tun sollen. Zunaechst das Tolle. Architektonisch ist der Norden was das Traditionelle angeht sehr erfrischend. Der Stil ist ein wenig chinesischer in der Form (An den Seiten Steinwaende, viele Gebaeude weiss getuencht), aber irgendwie doch sehr typisch koreanisch und auf jeden Fall insbesondere der Kontraste wegen sehr schoen.
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Man hat hier in den Resten der ehemaligen Konfuzianischen Akademie der Goryeo-Dynastie durch die Steinbauweise auch mehr "echte" Relikte aus alten Zeiten. Das Hauptgebaeude, ebenso wie die Baeume im Vorhof sind einfach mal locker 1000 Jahre alt.
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Zu viel versprochen? Die Kontraste des blauen Himmels, der gruenen Nadelbaeume und der weissen Gebaeude sind unglaublich schoen...es kommt bei vielen Gebaeuden fast ein wenig suedlaendisches Flair auf. 90% aller Fenster in den traditionellen Haeusern im Norden sind hellblau...Man kommt sich teilweise wie in einem - zugegebenermassen heruntergekommenen - griechischen Inseldorf vor.
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Ich praesentiere hiermit stolz das einzige echte bewohnte nordkoreanische Haus, das ich durch die Kontrollen bekommen habe. Da es mittendrin war, hat der Beamte es wohl fuer ein Akademiegebaeude gehalten.

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So sieht, so kann man sagen, das typische nordkoreanische Landhaus aus. Dieses Haus ist natuerlich penibel renoviert und restauriert, da es direkt an der Aussenmauer der Konfuzianischen Akademie liegt, aber man bekommt einen guten Eindruck vom Stil, der mir sehr gut gefallen hat. Wenn man da jetzt noch ein schoenes traditionelles Dach draufsetzt, sollte man diese gesamte Architektur behalten. Doch bereits im Hintergrund erkennt man ein paar kleinere Huetten. Und das sind wohl keine Schuppen. Bal wurde ich aber von Nordkoreanern zurueck in die Akademie gerufen, wenn auch freundlich und nett wie auf der gesamten Reise.
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Vollkommen perplex war ich dann als mich ein Nordkoreaner ansprach, weil er mitbekommen hatte, dass ich Koreanisch kann. In hoher Sprechstufe redete er, aber was er sagte, war so unfehlbar Nordkoreanisch, dass ich gar nicht antworten konnte.
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"Herr Lehrer 'Ami-Bastard' sprechen die Joseon-Sprache aber gut" ("우리 미국놈 선생님 조선말 잘 하시네요")
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Auch wenn Bastard fuer die pejorative Anrede "nom" sicher zu hart ist (wird trotzdem meist so uebersetzt), dann war das trotzdem unglaublich. Jemanden selbst mit Hoeflichkeitssuffix anzureden, aber im Falle eines Amerikaners war er fuer seine Herkunft bereits schon mal zu beleidigen. Insbesondere die gemeinsame Verwendung vom hoeflichen nim und pejorativen nom in ein und demselben Satz war unglaublich verwirrend. Dazu kam, dass er Koreanisch im Jargon des Nordens beschrieb.
Also wollte ich antworten:
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"Ja also die Suedseitensprache...ehm also "Koreanisch" wie man es im Sueden bezeichn...mhh..komisch..also "Joseon-Sprache", ja sprech ich ein wenig."
("네...남측말..아니...남측에서 한국말이라는....흠...이상하네....조선말 좀 해요")

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Doch zurueck zur Akademie, in deren Nebenfluegeln man ein Museum eingerichtet hat, das diesen Namen kaum verdient. Ich lobe die koreanischen Museen ja immer fuer ihren interaktiven Charakter, ihren Mitmach-Faktor, aber da blutete mir wieder Mal das Herz.
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Als Beispiel moechte ich einen Steinsarkophag mit ausgesprochen detaillierten, wunderschoenen Gravuren nennen, der zurecht als Nationalschatz deklariert ist und dies auch im Sueden waere. Nur waere er, wer das suedkoreanische Nationalmuseum als Vergleich kennt, wird mir zustimmen, in einer freistehenden Vitrine, angestrahlt, richtig ausgelueftet, praesentiert.
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Wie praesentiert nun also Nordkorea seinen Nationalschatz?
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Wie in einer Schueler-Ausstellung haengen drumherum Pappen mit aufgeklebten Info-Blaettern und Bildern, alles schoen mit Filzstiften dekoriert, der Sarkophag - ihr seht richtig - in einer offenen Vitrine.
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Die Fuehrerin ermutigt sogar: "Fassen Sie an, koennen Sie fuehlen welch grossartige Kunstfertigkeit unsere Vorfahren hatten?". Waehrend ich dachte, dass das wohl nicht mehr viele erleben werden koennen, wenn da staendig Touristen druebertatschen.
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Nicht besser waren Seidereste aus dem Jahr 900, die in einem Passepartout mit Plastikfolie "isoliert" waren. Und nebendran immer wieder bedeutungslose Tafeln mit riesigen Ausspruechen Kim Jeong Ils.
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Wie mir als Liebhaber koreanischer Kunst das Herz blutete, braucht man nicht erwaehnen. Hier durfte man alles fotografieren, man war zurecht stolz auf die grossen Schaetze des Museums. Auch eine wunderbare Sammlung von echtem Goryeo-Seladon, nach der sich jedes Museum dieser Welt mit ein wenig Ahnung von asiatischer Kunst die Finger lecken wuerde. Aber, dass ihre Art der "Konservierung" in Wahrheit schlimmer ist als die Kunstwerke wieder einzubuddeln, so wie sie die letzten 900 Jahre ueberlebt haben, das merken die Nordkoreaner wohl nicht.
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Stattdessen bekommt eine der Fuehrerin auch noch von den Suedkoreanern fuer ihren ruehrenden nationalistischen Vortrag ueber einen Goryeo-General Szenenapplaus. Es ist das einzige Mal, dass wir mit der nordkoreanischen Propaganda-Version von Geschichte aktiv gefuettert werden - und die begeisterte Reaktion aller Generationen von Suedkoreanern ist mir nicht geheuer.
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Ebenso wenig verstand ich wie die Suedkoreaner auf der abschliessenden Shoppingtour durch Kitsch-Laeden foermlich die Regale mit immer gleichen Waren leerkauften. Die Dollar flogen nur so durch die Gegend und der Parteisekretaer, der am Eingang im Ledersessel das ganze betrachtete, laechelte zufrieden. Wer jemandem aus dem Sueden eine Packung Pinienkerne, die es in einem koreanischen Supermarkt fuer 2.000 Won zu kaufen gibt, hier fuer 7 Dollar andreht, der ist nicht nur ein schlauer Sozialist bzw. Kimilseongist, sondern auch bestens gewappnet fuer den Kapitalismus, den man hier schon sehr gut verstanden zu haben scheint.
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Inzwischen gibt es auch Werbung, wenn auch auf Nordkoreanische Art:
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Auch hier wieder die typisch nordkoreanische Diktion. Waehrend man im Norden weiterhin "Reisender" (려행자) sagt, ist im suedkoreanischen die Bezeichnung 관광객 verbreiteter (was dann ins Deutsche uebertragen "Tourist" waere).
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Wie auch immer, die Reise neigte sich dem Ende zu. Auf dem Rueckweg wieder die gleiche Buerokratie-Prozedur und vorher eine abschliessende Tour durch den vom Sueden gebauten Industriekomplex. Das abschliessende "Lasst uns wieder treffen" der nordkoreanischen Fuehrer klang echt, authentisch. So wie diese Menschen authentisch waren.
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Nordkorea hat ein Gesicht bekommen
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Suedkoreaner wiederum gingen an diese Reise noch unbefangener - um nicht zu sagen naiver ran - als ich mir das je vorstellen konnte, und das obwohl ich die Meinungen zu Nordkorea vieler Suedkoreaner nur mehr als zu gut kenne. Das ist der Grund, warum eine Partei, deren einer Fluegel direkte Anweisungen aus Nordkorea bekommt, bei den letzten Parlamentswahlen immerhin mehr als 10% der Stimmen holen konnte.
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Die Bewunderung fuer dieses Land Nordkorea, das sich gegen alle Widrigkeiten behauptet, allein gegen alle und doch so koreanisch ist wie der Sueden wohl nie wieder werden wird, das zeigt aber nicht nur bei den Suedkoreanern Wirkung. Selbst ich sehe trotz all der Widersprueche und Schrecken, die ich selbst in dieser "Light-Version" gesehen habe, etwas unglaublich Faszinierendes, Attraktives an dem Land bzw. vor allem seinen Leuten. Willensstaerke und Zufriedenheit, all dies sind Werte, die vielen Nordkoreanern, die wir getroffen haben, ins Gesicht geschrieben standen. Auch sie, obwohl sind handverlesen und gebildet sind, haben keinen Schimmer von der echten Welt da draussen, aber irgendwie strahlen sie eine Zufriedenheit aus, die man nicht spielen kann. Die nordkoreanische Propaganda, die unsichtbare Regie, die man sieht, die von der Armee ueberwacht wird, ist dillettantisch, sie kann keinen aufmerksamen Beobachter taeuschen. Nur suedkoreanische Ajummas auf Abenteuerurlaub.
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Trotzdem beeindrucken diese Nordkoreaner als Menschen, die mit diesen Schwierigkeiten zurecht kommen. Auf den kahlen Bergen sieht man ueberall eingetretene Pfade. Diese Pfade haben keine Serpentinen - sie gehen nicht am Hang entlang. Sie fuehren einfach geradeaus den Berg hoch.
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Dies ist das Wesen der Nordkoreaner - ein beeindruckendes Volk, das sich gegen Widrigkeiten stemmt, das sein Leben meistert, mit dem man kaum tauschen moechte.
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Die Sonnenscheinpolitik aber, soviel sei noch gesagt, ist eine Politik der ganz ganz kleinen Fortschritte, es ist keinerlei Zeit fuer Jubel angebracht. Die Fortschritte sind da, aber sie sind klein. Es stehen moderne Gebaeude im Industriekomplex. Einige Soldaten haben Computer und einen VW Passat - dies sind aber keine qualitativen Verbesserungen. Die Show geht weiter, man versucht die Touristen, selbst wenn man sie hineinlaesst, mit allen moeglichen Mitteln daran zu hindern, Informationen rein oder raus zu nehmen. Erst wenn sich das aendert, wird es qualitative Fortschritte geben. Bis dahin ist das, was passiert ein fuer beide Seiten irgendwie produktiver Geldaustausch mit dem Tourismus als schoene Kaschierung des ganzen "Arbeitssklaven gegen Devisen"-Handels. Was Kim Dae Jung sich bei seiner Sonnenscheinpolitik dachte, war etwas anderes.
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Nordkorea ist noch immer eine Kulisse, so wie das Propaganda-Dorf Gijong mit dem hoechsten Flaggenmast der Welt, von dem ich verbotenerweise - aber nach der Fotokontrolle im Bus nach Suedkorea - ein Foto machen konnte.
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Jetzt koennte man natuerlich sagen: "Hey, wenn sie unwissend gluecklich sind, dann lass sie doch in Ruhe ihr Leben leben". Koennte man - als Buddhist und nicht nur als solcher sollte man aber immer versuchen sich aus Unwissenheit zu befreien. Und Freiheit ist ein schoenes Wort,in Nordkorea erfaehrt man besonders eindrucksvoll, wozu Unfreiheit fuehrt und warum man auf der ganzen Welt gegen Unfreiheit kaempfen sollte.
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Auch in Nordkorea sind nicht alle gleich arm, nie waren fuer mich soziale Unterschiede so extrem sichtbar. Und trotzdem ist meine blinde Negativ-Haltung differenzierter geworden. Aehnlich wie das erste Mal als ich mit Opfern der Park-Regierung geredet habe, wird mein Bild ausgeglichener. Ich sehe Facetten und verbinde mit Nordkorea ein Gesicht. Es ist nicht mehr das Gesicht Kim Jong-Ils.
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Es ist auch das Bild der Menschen, die ihre Bergwege senkrecht hinauf klettern.
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Das andere Korea