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Freitag, 1. August 2008
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Wie Yi Cheong-jun mich lehrte, was Han ist
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故 이청준 Yi Cheong-jun (1939-2008)
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Wenn Schriftsteller sterben, ist das für Literaturfreunde besonders schmerzlich. Denn nicht nur verliert Korea wie im Falle Park Gyeong-nis eine herausragende Persönlichkeit, einen großen Menschen, ganz persönlich und egoistisch gesehen verliert man die Chance ein neues dieser Meisterwerke lesen zu dürfen. Sowohl bei Park als auch bei Yi jedoch sind noch genug Schätze zu entdecken, bevor diese Trauer einsetzen wird.
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Yi ist wie so viele Künstler im Südwesten Koreas geboren worden und sein Thema war Zeit seines Lebens die Rolle von Kunst und Kultur, Tradition und Moderne, die sich gegenseitig befruchten und zerstören. Was mir aber an Yi besonders gefiel, war, dass er die Moderne nicht als per se negativ betrachtete, die Tradition nicht als per se Gutes betrachtete. In einer Seminararbeit im Jahre 2006 drückte ich es bezogen auf Shim Chong folgendermaßen aus:
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"Yi handelt aus der Motivation heraus, Interesse für den Reichtum an traditionellen Stoffen auch in der modernen Welt zu erhalten; und zwar nicht mit einem Lehrimpetus, der dem Leser die Klassiker aufoktroyieren möchte, sondern er versucht durch behutsame Modernisierung einerseits die Würde des Alten zu bewahren, es gleichzeitig aber für moderne Leser zugänglicher und somit interessanter zu machen. Die Suche nach Kritik am modernen Leben führt bei Yi ins Leere; er ist niemand, der die radikale Rückkehr zu einer in Retrospektive oft idealisierten Tradition fordert – er beschränkt seine eigene Rolle als Autor, tritt hinter die zu erzählende Geschichte zurück und gleichzeitig mit dem modernen Leser, d.h. der Moderne, in Kontakt. [...] Yi legt sich bei Sim Cheong eine Selbstbeschränkung in den literarischen Mitteln auf, die das Unmögliche schafft, nämlich nur durch geschicktes Hinzufügen und Weglassen, die bewusste Wahl des Vokabulars etc. eine Geschichte so zu verändern, dass sie nicht nur eine reine Bearbeitung bleibt, sondern als vollkommen neuer Stoff Tradition und Moderne versöhnt."
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In vielen anderen Werken ist eine Kritik an Teilen der Moderne sehr prävalent, und doch hat es nie dieses Romantisierende, zu dem man oft neigt, je länger die Vergangenheit vergangen ist. Yi schafft es in wenigen Worten ganze Universen zu erschaffen, so auch in meiner Lieblingsnovelle "Das geheime Feuerfest", das mich als 15-jähriger total in meinen Bann gezogen hat.
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Sopyeonje wiederum, DAS Epos über Pansori und die Kunstszene des Südwestens, war sowohl als Roman als auch als Film über die Maßen erfolgreich. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Im Kwon-taek (Lebenswerk Berlinale, Goldener Löwe etc.) kann man getrost als die Definition von "Kongenialität" bezeichnen.
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Und wenn ich mir jetzt überlege, dass ich über Park und Yi in meinem Letter of Motivation geschrieben habe, nämlich, dass sie die beiden Schriftsteller sind, die mich am meisten beeinflusst haben, und dass nun nach Park auch noch Yi tot ist....wirklich beklemmend. Einzig positiv ist, dass Werke wie Penguin News zeigen, dass die junge Literaturszene Koreas bereit ist, in die riesigen Fußstapfen zu treten. Und auch wenn Yis Werke meinen Informationen zufolge in 7 Sprachen übersetzt sind und es allein auf Deutsch über 20 Übersetzungen seiner Werke gibt, wird diese neue Generation hoffentlich die Früchte der harten Pionierarbeit tragen und auch im Westen für ihre Kreativität wertgeschätzt werden. Vielleicht auch von einer neuen Generation von Übersetzern beflügelt?!
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Label 레이블 Gedanken, Korea, Kultur, Nachrichten
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