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Dieser Blog dreht sich ums Studentenleben in Korea. Die Hauptseite meiner Blog-Welt ist unter folgender Adresse zu sehen:
Samstag, 19. Juli 2008
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Kafkaeskes
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Wer in meiner Gegenwart je noch einmal Kafka als surreal bezeichnet, der lese bitte durch, was mir heute (mal wieder) an der Uni passiert ist. Es ist der tägliche Wahnsinn einer Exzellenzuniversität und ihrer Verwaltung, einer Uni, die sich in die Weltspitze redet, im Kern aber doch so provinziell ist, dass es weh tut. Ich bin der letzte, der ein kostenloses Studium für alle mit Traumnoten fürs Nichtstun erwartet, aber wenn ein Student trotz widrigster Umstände sein Studium in der Regelstudienzeit fertig kriegen möchte, dann könnte man doch erwarten, dass die Verwaltung ihn hierbei unterstützt. Meine Kritik richtet sich hierbei weder an den CareerService, eine der wenigen Stellen der Verwaltung, in der man es mit Menschen (!) zu tun hat, die auch schon mal einen "echten" Beruf ausgeübt haben und genauso wenig kann man irgendjemandem an unserem Institut einen Vorwurf machen. Was Dr. Brochlos für jeden einzelnen von uns sowohl akademisch als auch verwaltungstechnisch geleistet hat, geht über das Menschliche hinaus, über das, was man als kommissarischer Leiter leisten muss, sowieso.
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Zurück zum Grund meines Ärgers, der mir den Tag heute so gründlich versaut hat, dass ich nur noch mein Zeugnis haben möchte und dann diese Uni nie mehr betreten.
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Die Tür ins Land der Verwaltung
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Vor genau 2 Wochen hatte ich bekanntlich meinen Antrag auf BA-Arbeit beim Prüfungsbüro eingereicht. Einen ganzen Packen Papiere, Antragsformulare und ein ordentliches Anschreiben, das erklärt, warum das CampusManagement nicht alle Kurse richtig anzeigt und dass ich deshalb die Kursbestätigungen wie erforderlich noch einmal in Papierform schicke. Zudem bat ich freundlich, dass sich die Sachbearbeiter aufgrund der Dringlichkeit der Lage und meines bevorstehenden Korea-Aufenthaltes doch bitte beeilen mögen und ich bereit wäre diese dabei auch zu unterstützen.
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Keine Antwort.
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Nachdem ich nun heute meine letzte Klausur im Bachelor geschrieben hatte, d.h. in spätestens einer Woche theoretisch schon meinen BA haben könnte, ging ich noch einmal hin. Ich wartete kurz in der Hoffnung, dass jemand da sei.
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Kurzer Exkurs: Ist es eigentlich "exzellent", wenn man für geschätzte 3000 bis 4000 Studenten exakt 3 (in Worten "drei") Sachbearbeiter hat, die wiederum in der Woche exakt 6 Stunden Sprechzeiten haben? Selbst mit meinem übersichtlichen Stundenplan habe ich in den offiziellen Sprechstunden nie Zeit.
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Jedenfalls kam dann tatsächlich gerade eine der Damen aus der Küche, um sich in ihre Festung zurückzuschleichen. Wer sich nämlich das Prüfungsbüro einer Exzellenzuni als hellen Raum mit Service-Theke vorstellt, irrt gewaltig. Während nämlich sogar das Dekanat einigermaßen offen zugänglich ist, ist das Prüfungsbüro mit einem Schloss versehen und hat eine eigene Gegensprechanlage - offensichtlich hat man Erfahrung mit Studenten, die nach 6 Monaten Wartezeit auf eine Prüfungsanmeldung Amok laufen.
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Zurück zur Dame. Sie musterte mich abschätzig von oben nach unten und gerade als ich die Worte "Entschuldigen Sie, ich hätte da eine Frage bezüglich meines Antrags"... wandte sie sich ab, schlüpfte durch die Tür und ward nicht mehr gesehen. Kafka. Großes Tor. Genau dieses ohnmächtige Gefühl der Hilflosigkeit vor einer Behörde, von der man abhängig ist, die aber gerade kein Gesicht hat, in das man hineinschlagen kann.
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Wenige Sekunden später die Erleichterung. Von innen schallt es: "Da müssen Sie halt klingen", worauf ich klingel und hoffe eingelassen zu werden in die heiligen Hallen. Doch weit gefehlt, als einfacher Student mit einem Anliegen bin ich unwürdig ins Innerste vorgelassen zu werden. Stattdessen wird nun, einen Meter von mir entfernt, nur durch eine schwere Tür getrennt, per Gegensprechanlage mit mir geredet.
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Ich schildere mein Anliegen. Von vorn bis hinten, worauf man mir allen Ernstes sagt, dass man gerade so viel mit Anträgen zu tun habe, dass man da jetzt keinen Überblick drüber habe. Auch nachdem ich vier Mal vom Briefkasten erzählt habe, sagt man mir, dass es ohne persönliches Einreichen auch keine Garantie auf Bearbeitung gäbe (!). Ich solle also zumindest per Mail den ganzen Sachverhalt noch einmal erklären, dann werde man sich melden, wenn man den Antrag gefunden hat.
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Sprachlosigkeit. Worte konnte ich in diesem Moment nicht zustande bringen. Mit einem Knacksen in der Gegensprechanlage war der einzige Kontakt mit dem Prüfungsamt in meinem Studium auch schon beendet.
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Vollkommen perplex fahre ich zu Dr. Brochlos ins Büro. Dort zum ersten Mal überhaupt eine Schlange von Studenten vor der Sprechstunde. Ina dreht durch, weil ihr CampusManagement das Vertiefungsmodul geschluckt hat, bei mir geht es um das gleiche Problem.
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Um es Mal zu veranschaulichen: Für ein Aufbaumodul benötigt man 2 Kurse mit 2 Prüfungsleistungen, die eingetragen werden. Ich aber hatte 3 Kurse mit 2 Prüfungsleistungen, d.h. das Modul gilt nicht als abgeschlossen bis ich den dritten Kurs mit einer Prüfungsleistung abgeschlossen hat, wobei dann das Problem ist, dass das Programm nicht weiß, welche beiden von den 3 Leistungen es nehmen soll, weshalb also der dritte Kurs ganz rausgenommen werden muss. Dies soll eigentlich der Dozent machen, dieser ist aber seit 2 Jahren nicht mehr an der Uni, weshalb auch dies an Herrn Dr. Brochlos hängen bleibt.
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Nächstes Beispiel. Ostasienwissenschaften. Man braucht jeweils einen Sinologiekurs und einen Japanologiekurs in Geschichte, Kultur und Politik&Wirtschaft Ostasiens, d.h. also insgesamt 3 Module mit je 2 Kursen. Leider ließen sich aber die Kurse nicht als Kultur oder Politik buchen, sodass ich jetzt 5 abgeschlossene Kurse habe, die als ein einziges Modul gerechnet werden, wobei wiederum die dritte Note nicht eingetragen werden konnte, weil ja bereits das Modul als abgeschlossen angezeigt wird. Damit ist aber 1 Kurs für Kultur, nämlich der Kurs "Japanische Kulturgeschichte" ebenfalls abgeschlossen und kann nicht mehr als Kultur gelten. Auch hier muss Dr. Brochlos nun die Herren vom CM darum bitten diese Kurse umzubuchen - ich direkt kann das nicht machen, denn ich bin ja nur ein unwissender Student.
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Hatte ich erwähnt, dass affine Module bis heute nicht im CM anrechenbar sind, d.h. ich nach wie vor im Nebenfach alle Scheine sammeln muss und ich, der nach der Korrektur der letzten beiden Klausuren jetzt offiziell 180 LP haben müsste, im CM ganze 59 Punkte angezeigt bekommt?
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Eine Universität, die auch nach 3 Jahren es noch nicht hinbekommt in kleinen Fächern den Stundenplan so zu gestalten, dass sich Pflichtkurse nicht überschneiden, eine Universität die es auch nach 3 Jahren und unzähligen Millionen Investition noch nicht hinbekommt ein zentrales System zur Erfassung von Noten und LP auf die Beine zu stellen, eine Universität, die kleinen Fächern Dozenten mit 30 Jahren Erfahrung Lehraufträge kürzt, dafür aber auf dem Campus einen Beachvolleyballplatz baut, eine solche Uni sollte vor Scham nicht einmal wagen "Exzellenz" zu sagen, geschweige denn damit hausieren zu gehen, dass man jetzt Weltspitze sei.
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Universität heißt nicht nur Forschungsgelder für die Forschung in einigen wenigen Bereichen einzusetzen, Exzellenz-Universität heißt für mich: Hochklassige Lehre, angenehmes Lernumfeld, qualitativ ansprechende Forschung und eine effiziente Verwaltung.
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Die FU hat.... naja... einen Beachvolleyballplatz.
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Label 레이블 FU, Koreastudien, Studium
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2 Kommentare 덧글:
Dass "Exzellenz-Universität" nur ein Etikett ist, das man nicht wörtlich nehmen darf und auf das man keine Ansprüche melden sollte, dürfte sich doch mittlerweile rumgesprochen haben. Trotzdem, sowas kann schon extrem nerven. Und wenn du erstmal hierher kommst... einiges läuft zwar besser, aber für Ausländer dann eben doch nicht alles so reibungslos.
Aber mal was anderes... Hast du keine mündliche Prüfung, keine Disputation am Ende? Und deine Bachelorarbeit, wie viele Seiten? Ich habe echt das Gefühl, dass die Anforderungen, die für den B.A. verlangt werden, so was von extrem unterschiedlich sind von Uni zu Uni, dass ich manchmal denke, ich hätte meinen Abschluss auch tausend Mal einfacher haben können.
Will ich aber nicht, denn in München hat zumindest in meinem Fach auch ein bißchen Exzellenz drin gesteckt. Wir waren ja auch schon viel eher exzellent, ätsch!
Also an der KU hat echt alles reibungslos funktioniert fuer mich, deshalb ja dieser bittere Vergleich...^^ Und dass ich Exzellenz nie ernst genommen habe, ist ja klar...nur wenn sich die Uni-Leitung so extrem mit diesen Federn schmueckt, dann darf man sie wohl auch dran messen ^^
BA-Arbeit sind mindestens 30 Seiten, ich hatte 49..muendliche Pruefung, Disputation sonstwas gibts alles nicht...waere ja irgendwie auch eher laecherlich bei dem Umfang der BA-Arbeit :D
Ich glaub standardisiert ist nur die Menge der ECTS, naemlich 180 und darum gehts ja beim Bachelor, um diese Anerkennung..blubb -.-
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